Salvatore Pisani – Städtebau als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Zum Wiederaufbau des Saarlands 1945–1955
Der Militärgouverneur des Saarlandes Gilbert Grandval sprach 1947 die Hoffnung aus, dass „der Genius der Städtebauer auf immer die Bande webt, die Saarland und Frankreich einen“ werden. Ausgehend von dieser Aussage, die vor dem Hintergrund der europäischen Ruinenlandschaft des Zweiten Weltkrieges formuliert wurde, fragt der Vortrag nach den Möglichkeiten und Grenzen mittels Architektur und Städtebau Gemeinschaft (wieder)herzustellen und politische Brüche zu reparieren. Es werden die französischen Stadtbauprojekte für Saarbrücken, Saarlouis und Neunkirchen betrachtet, die dem funktionalen Urbanismus verpflichtet waren. Diesem hatte Le Corbusier in der Charte d’Athènes kurz zuvor ein für den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit enorm einflussreiches Manifest gewidmet. Dessen Kernprogramm sah den Bruch mit der Geschichte als Basis einer allgemeinen gesellschaftlichen Erneuerung vor. Auf saarländischer Seite kam es zu einer Ablehnung dieser Projekte, weil man die zerbombten Städte nicht zum Labor der Moderne machen und mithin eine weitere soziale Disruption riskieren wollte. Französische Architekten und saarländische Baubehörden gerieten darüber in heftigen Konflikt – dessen Verlauf trotz oder gerade wegen des Zerwürfnisses als Übergang von einer macht- in eine regelbasierte Ordnung beschreibbar wird.